Samstag, 16. Dezember 2006

Sightseeing mal anders

Eines muß ich mal ganz nebenbei anmerken. Das digitale Zeitalter ist schon eine geile Sache. Knapp 10.000 km von zu Hause entfernt und das Mobiltelefon funktioniert genauso gut wie zu Hause (über die Minutenpreise breite ich mal lieber den Mantel des Schweigens), der Laptop geht im Hotel dank DSL fast genauso schnell ins Internet und dann so geniale Erfindungen wie e-mail, Digitalkameras, ICQ und Skype verwandeln die Welt langsam wirklich in ein globales Dorf.
Und durch Skype kamen mein Kollege Chris (seinen Blog findet man übrigens unter asiachris.blogspot.com) und ich in den Genuß einer Sightseeing-Tour, die so ganz bestimmt kein zweites Mal vorkommt. Chris hatte mal wieder nichts besseres zu tun, als mit Skype rumzuexperimentieren. Ich weiß zwar ehrlich gesagt nicht, wie er das angestellt hat, aber irgendwann poppt bei mir seine Sofortmeldung auf, wir würden uns am Samstag um 15 Uhr an der MagLev-Station (für alle die nicht wissen, was der MagLev ist: in Deutschland kennt man dieses Geschoß nur durch seinen spektakulären Unfall auf der Teststrecke, der Bau einer Strecke für den realen Einsatz scheitert wie immer an politischen Grabenkriegen). Samstag mittag klingelt mein Mobiltelefon. Chris kündigt an, daß er in Jinshan, ein Ort ca 60km von Shanghai entfernt, losfährt. Aus der Erfahrung weiß ich, daß ich noch so etwa 1,5 Stunden Zeit habe. Treffpunkt ist mein altes Hotel in der Caoxi Road. Ich steige gerade aus meinem Taxi, da hält hinter mir ein weiteres. Chris zahlt den Fahrer und steigt aus, was für ein Timing. Das Ziel ist die U-Bahn, die uns mit einmal Umsteigen bis zur Longyang Station bringt, die gleichzeitig Shanghai City und den Pudong International Airport durch den MagLev verbindet. Mandy trifft leicht verspätet ein, sie ist im Shanghaier Verkehr steckengeblieben. Chris und ich nutzen die Zeit bis dahin für Knipsen bis zum Erbrechen. schließlich sieht man nicht allzu oft deutsche Ingenieurskunst ohne entsprechendes Pendent in Deutschland. 160 RMB kostet das Roundtrip-VIP-Ticket, das wir uns gönnen. Mandy meint zwar, es wäre kein Unterschied zwischen Economy und VIP. Prinzipiell richtig, aber die Details machen den Unterschied. So öffnet ein netter Herr nach kurzer Sichtkontrolle der Tickets die Absperrung aus einem roten samtartigen Seil. Die nette Zugbegleiterin nimmt uns sogar den lästigen Druck auf den Türknopf ab. Und wir haben die erste Klasse und die neidischen Blicke der Economy-Class für uns alleine. Dann hebt sich der Zug ein wenig an und schwebt auf seinem Magnetfeld. Gleich wird sich die Frage von Chris und mir nach der Beschleunigung von null auf 430 km/h klären: nicht anders wie ein ICE-III. Anfangs schwimmt der Zug noch etwas unruhig aber ab ca. 200 km/h fährt der Zug wie auf Schienen. 300 km/h... ja Baby gib's uns, 350 km/h, gib's uns richtig, 400 km/h, ja, so wollen wir das. 431 km/h stehen auf dem Display, und die Autos auf der parallel verlaufenden Autobahn scheinen wirklich zu stehen. Kein Vergleich zur ICE3-Trasse entlang der A3 zwischen Köln und Frankfurt/Main. Insgesamt 8 Minuten dauert der Spaß, dann erreichen wir den Flughafen. Naja, den wollen wir ja nicht sehen, da haben Chris und ich am kommenden Samstag noch mehr als genügend Zeit dafür. Also wieder auf den Rückweg. Und 10 Minuten später stehen wir am Ausgangspunkt der MagLev-Reise.




Mandy schlägt uns einen Spaziergang über die Nanking Road vor, die Einkaufsmeile von Shanghai. Hier gibt es alles von der kopierten DVD über gefakte Rolex und echte Marken bis zu den sündhaft teuren Designerwaren. Ein Gedränge wie in Stuttgart am letzten Adventsamstag auf dem Weihnachtsmarkt. Nur das hier die Straße ca. 20m breit ist. Von hier pilgern wir weiter zur French Consession, ein Stadtviertel, das die Franzosen während ihrer Besatzung von Shanghai stark geprägt haben. Und wohl die einzige Ecke Shanghais mit max. dreistöckigen Gebäuden. So langsam haben wir alle Hunger. Das erste lokal erweist sich als unbrauchbar, da es mehr eine Bar ist und zudem auch noch einen Mindestverzehr pro Tisch verlangt. Also weiter, und so landen wir in einem Lokal, daß typisch Shanghaier Küche serviert. Wir ordern kreuz und quer durch die Karte: Shrimps, Schweinefleisch in brauner Sauce, Kürbisplätzchen mit Sesamfüllung, Gemüse, irgendein typisches Gericht der Shanghaier Küche (nix für Leute die schon beim Gedanken an Chillies Schweißausbrüche bekommen) Krabbenfleisch-Dumplings und zum ersten Mal seit ich in Asien bin bestelle ich auch Frühlingsrollen dazu. Der obligatorische Tee mit leichtem Chlornachgeschmack und der Dynasty Rotwein runden das Mahl ab. 22 Uhr und was nun? Chris meint, er braucht Bass. Mir ist damit klar, jetzt hilft nur noch der Boiling Pub in der Hengshan Road. Feinste Beats von HipHop über House, Trance und Techno gepaart mit einer gutsortierten Getränkekarte, GoGo's und gelegentlichen Einlagen der Barcrew machen den Besuch zum Erlebnis (vielleicht schaffe ich es ja mal das dort gedreht 4 Minuten-Video auf deutlich unter 300MB einzudampfen, damit es auch auf YouTube landen kann http://my-asia.blogspot.com/2006/12/boiling-pub.html). Als wir ankommen fährt der DJ gerade auf der HipHop-Schiene. Also mal eben das Schild der Basecap um 164,38° gedreht und mit bösen Blicken einen auf HipHopper machen. Einen Long Island Icetea (in 2 Minuten vernichtet) und 2 Sex on beach später klappt das sogar mit den typischen Moves wie in einem Video auf MTV. Noch einen Icetea später geht's mehr in Richtung House und weder Chris, Mandy, Lilly und ich können nicht mehr still halten. Und es kommt zu etwas, daß ich Deutschland seit dem Ende der Neuen Deutschen Welle nicht mehr gamcht habe: ich frage Mandy, ob sich mich zur Tanzfläche begleitet. Und es geht ab... Selbst Chris ist im Tanzfieber. Zusammen mit Lilly rockt er den Dancefloor und landet irgendwann zwischen 1 und 2 Uhr morgens mit ihr auf der Bühne der GoGos. Scheiße, und ich hab die Kamera zusammen mit den anderen Sachen eingeschlossen. Bis 3 Uhr morgens feiern wir eine private Party, die
sich gewaschen hat. Und dann wird's Zeit einen schönen Tag zu beenden, der Club macht zu, Chris hat noch 1,5 Stunden Taxifahrt vor sich, die Mädels wollen auch nach Hause und ich bin der einzige, der noch noch was trinken will...

Freitag, 15. Dezember 2006

Wenn Frauen auf einem rumtrampeln...

... dann hat man(n) meist etwas richtig falsch gemacht. Oder ist von der äußerst unterwürfigen Art. Oder einen Massagesalon betreten. Nein Leute, nicht so einen... Einen, auf den die Bezeichnung Beautysalon oder Wellnesstempel heißen müßte. Neben Mani- und Pediküre werden auch so nette Dinge die Haareschneiden oder Rasur angeboten. Und eben auch Massagen. Aus alter Kassenpatienterfahrung habe ich an die vom Orthopäden verordneten Massagen auch gute Erinnerungen. Dummerweise sind solch sinnvollen Dinge der "Zutode-Reformierung" der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland zum Opfer gefallen. Sei's drum, vor dem Laden noch schnell die Preise studiert. 200 RMB, das sind nicht mal 20 Euro, kostet der Spaß. Am Empfang dann auch schon das erste kleinere Problem: das steht nicht, was draußen vor dem Laden steht. Egal, ich ordere das Vollprogramm, schließlich will man ja keine halben Sachen machen. Ein freundlicher Herr weist mir den Weg zu einem Raum, in dem drei Stühle stehen, die an die Sitzmöbel in der Business-Class erinnern. Mit wenigen Handgriffen verwandelt sich der Stuhl in eine Liege. Coole Sache. Und dann reicht er mir ein Paar Shorts und ein kimonoähnliches Oberteil. Ok, dann eben mal schnell umziehen. Kaum fertig, deutet er an, ich solle es mir auf der Liege gemütlich machen. Immer noch besser als dumm rumstehen. Und dann werd ich auch noch zugedeckt. Nett, aber schlafen wollte ich erst, wenn ich wieder im Hotel bin. Die Frage nach dem Fernseher verneine ich, denn ich kann mit dem kulturell hochwertigen Programmen (etwa das Niveau zwischen 9live und arte) beim besten Willen nichts anfangen. Circa zwei Minuten später betritt eine zierliche Chinesin von etwa 1,50m Größe und bestenfalls 45kg Gewicht den Raum. Auf der Liege ein Prachtkerl von einem Mann, einen knappen halben Meter länger und gut dreimal so schwer. Das wird sicher interessant. Freundlich erklärt sie mir irgendwas, daß mir irgendwie Chinesisch vorkommt. Sprachliche Inkompatibilitäten sind hier echt ein Problem. Mit einigen unterstreichden Gesten wird dann auch der dümmsten Langnase klar, was sie meint: ich soll mich auf den Rücken legen. Mögen die Spiele im asiatischen Massagemehrkampf beginnen. Und schon drückt sie mir ein warmes, feuchtes Handtuch in den Nacken, worauf ich prompt den Kopf anhebe. Was dann prompt einige chinesische oder eigentliche Shanghaier Worte zur Folge hat, die ich mit einem verlegenen Lächeln quittiere. Wir Baden-Württemberger können alles. Außer Hochdeutsch. Und chinesisch, jedenfalls nicht von Geburt an. Aber irgendwie finden wir zueinander. Ich laß einfach mal locker. Der Klügere gibt schließlich nach :-) Wobei mir diese Overtüre irgendwie noch nicht so richtig sinnvoll erscheint, aber wer weiß, was noch kommt. Zwei freuchtwarme Handtücher später eschließt sich mir aber der Sinn: das Vorwaschprogramm und leichtes Warmlaufen in einem. Kaum ist der Oberkörper warm vorgewaschen, schaltet die Lady auch einen Gang höher. Auf dem Rücken liegend fängt sie an, den Rücken mit gekonnten Bewegungen zu massieren. Irgendwie bin ich jetzt irritiert, aber ich muß zugeben, es tut gut. Und es funktioniert. Wäre ich eine Katze, würde ich mich einrollen und schnurren. zum Glück bin ich aber ein Mensch, wäre ja sonst irgendwie unpassend. Danach sind Brustkorb und Arme dran, die abwechselnd geknetet, geklopft, gerieben, gezogen, geschüttelt und was sonst noch werden. Das Spiel geht übrigens bin in die Fingerspitzen. Fühlt sich echt gut an. Dann geht es über den Bauch zu den Beinen. Auch hier wird wieder geknetet, geklopft, geschüttelt, gerührt und wieder geknetet. Dann die nächste Überraschung: ein feuchtwarmes Tuch wird mir auf das Kinn gelegt und so drapiert, das es den Mund mit verdeckt. Kurz man energisch aufgestemmt, damit es richtig stramm anliegt. Und dann wird es gefalten, daß das ganze Gesicht bedeckt ist und nur die Nase frei bleibt. Wohlige Wärme macht sich breit. Und dann wird das Frotteetuch mit kräftigen Zügen über das Gesicht bewegt. Erinnert mich irgendwie an früher als kleiner Junge, als mir meine Mutter beim Baden zum Schluß mit einem Waschlappen das Gesicht gewaschen hat. Und das es im Gesicht tatsächlich massierbare Bereiche gibt war mir auch neu. Selbst die Kopfhaut wird einer kurzen Massage unterzogen. Klasse, ich krieg Gänsehaut bis zur Fußsohle...
Wieder einige freundliche Worte in diesem mir nahezu unverständlichen Dialekt. Und dann macht die Lady Halbzeitpause. Als sie einige Minuten später zurück kommt, höre ich das gleiche nochmal. Ich weiß noch immer nicht, was sie von mir will. Ich verstehe nur immer wieder oil. Tja immer die doofen Touristen. Scheinbar kann ihre Kollegin besser Englisch und wird prompt hinzugezogen. Ob ich eine Ölmassage wünsche, für weitere 150 RMB. Ich lehne ab, sonst reicht mir das Geld nicht mehr für's Taxi zurück ins Hotel. Und ich hab keine Lust auf einen 10km Nachtmarsch, der hat mir schon beim Bund nur bedingt Spaß gemacht. Ok, die Kollegin verschwindet wieder und schon wieder müssen wir uns mit Gesten behelfen: Seitenwechsel. Ich drehe mich auf den Bauch und bin gespannt was jetzt kommt, eine Bauchmassage? Falsch... Mehrere Lagen dieser feuchtwarmen Handtücher werden auf meinen Rücken geschichtet. Mann, tut das gut... und dann wird dieses Kunstwerk noch abgedeckt. Irgendwie fühle ich mich an die Fangopackungen aus der Reha erinnnert. Grazil und elegant schwingt sich das kleine Energiebündel hinter meinem Rücken auf die Liege, ich spüre lediglich ihre Füße im Bereich des Beckens. Ich ahne was nun kommt. Und schon auf meinen Pobacken und scheint zu tanzen. Ich hoffe mal, daß die Gute nicht unbedingt einen Hals auf die Männerwelt hat und mir jetzt einfach mal das Kreuz brechen will. Nein, hat sie nicht, aber sie scheint zu wissen was sie tut. Irgendwie wünsche ich mir mal eben aufstehen zu können und die ganze Szenerie digital zu konservieren. Wird aber nichts draus. Immer wieder spaziert sie vom Po über meinen Rücken zum Nacken. Und dann die Beine entlang runter zu den Füßen. Irgendwie schwer zu beschreiben, aber tut unglaublich gut. Doch die Lady hat noch eine Überraschung parat, ich spüre plötzlich ihr Knie im Rücken. Und was kommt als nächstes weichklopfen mit einem Baseballschläger? Ich bin echt geplättet, im wahrsten Sinne des Wortes. Und was noch viel schlimmer ist, mir fehlen die Worte das ganze zu beschreiben. Und dann schwingt sie sich genau so elegant wieder auf den Boden zurück, nimmt den Stapel feuchter, nicht mehr richtig warmer Tücher von meinem Rücken, deckt mich zu und verschwindet. Ich bleib erst mal liegen denke ich mir. Satz mit x: War wohl nix. Kurz darauf deutet sie mir an mich mal kurz zu erheben, damit sie die Unterlage wieder in Position ziehen kann und dann soll ich mich wieder auf den Rücken legen. Und diesmal ist nur der Kopf dran. Nach gut zwei Stunden meint sie dann finished. Als ich aufstehe, fühle ich mich wie ein neuer Mensch. Ich glaube das muß ich nochmal wiederholen. Und irgendwie bin ich Chris sogar dankbar, daß aus unserem gemeinsam Zug durch Jinshan nichts geworden ist.

Donnerstag, 14. Dezember 2006

Chlor-Pepsi

Ein Highlight eines jeden Arbeitstages war für mich, richtig geraten, die Lunchtime. Heute gab's gebratenen Reis. Und zum ersten Mal hatte ich in China ein Gericht, wie man es in Deutschland vom Chinesen kennt, naja fast. Schmeckt hier trotzdem irgendwie besser. Und nach nun fast sechs Wochen in Asien ist mir der, ohnehin schon vertraute, Umgang mit den Chopsticks wie selbstverständlich in Fleisch und Blut übergangen. Kennt ihr das Gefühl, daß man über euch spricht, auch wenn man die Sprache überhaupt nicht versteht? Wir saßen zu viert am Tisch, meine beiden IT-Kollegen, eine Angestellte des Kunden und ich. Die drei unterhalten sich auf chinesisch als ich irgendwann einmal das Gefühl habe, jetzt reden sie über mich. Ich schaue meine IT-Kollegen fragend an und erhalte prompt die Übersetzung. Der Kollegin war aufgefallen, daß ich recht geschickt mit den Stäbchen umgehen würde, was sie nicht gedacht hätte. Auf was die Leute so alles achten...
Feierabend und nun stellt sich wieder die immerwiederkehrende Frage nach dem Abendessen. Heute konnte die Frage relativ leicht beantwortet werden: entweder McDonalds oder KFC, denn die ganzen guten Restaurants in der Nähe meines Hotels waren schon dabei zu schließen. Und alleine macht Steambowl-Essen irgendwie nicht so richtig Spaß. Da das nächste goldene M gut 20 Minuten zu Fuß entfernt lag, fiel die Entscheidung relativ leicht: KFC ist grad mal 300m zu gehen. An die Kasse hin und dann bestellen für Doofe: man zeigt mal eben auf die Dinge, die man haben will. Auf die Frage: "Drink Pepsi" nicke ich und 3 Sekunden später fällt mir ein, daß in Junkfood-Restaurants in Shanghai der Chlor-Fluch liegt. Die Softdrinks werden, wie auch in Europa, aus Konzentraten und Leitungswasser gemischt. An sich ja nichts schlimmes, wäre in Shanghai da nicht dieser ekelhafte Chlor-Beigeschmack. Deshalb werden in vielen Shanghaier Restaurants die Softdrinks aus der Dose serviert.

Die Ruhe vor dem Sturm


In Shanghai ist vieles anders als z.B. irgendwo in Europa. An einen Dauerlärm aus hupenden Taxis, LKWs, Bussen, Mopeds und was sonst noch irgendwie hupen kann, hab ich mich nach drei Wochen gewöhnt.Oder daran, daß bei den ehrgeizigen Wolkenkratzern teilweise 24/7 gearbeitet wird. Auch daran, das die Bauarbeiter 300m Luftline von meinem Hotel morgens um 6 Uhr anfangen mit schwerem Gerät ein halbes Viertel dem Erdboden gleichzumachen. Wie auch immer, da bettet man sein Haupt nach einem anstrengenden Arbeitstag gegen 22.30 Uhr auf den Kissen und freut sich schon auf süße Träume als die Hupe eines LKW laut wie ein Nebelhorn ertönt. Und das war nur der Anfang, inwzischen hat sich sein Kollege Baggerfahrer dazugesellt und die beiden machen nun Hausmusik der destruktiven Art. Da wünscht man sich dann schnell mal eben einen Grantwerfer oder ähnliches, um da mal schnell und effizient für Ruhe zu sorgen. Aber das Problem wäre wahrscheinlich nur temporär gelöst. Es gibt bei 1,2 Mrd. Chinesen sicher den einen oder anderen, der den Job dann übernehmen würde. Ich seh schon eine richtig geile Nacht auf mich zukommen. Naja, dann gehe ich morgen früh mal etwas früher zur Arbeit und probier's mal mit gemütlichem Büroschlaf...

Mittwoch, 13. Dezember 2006

Wolle scharf?

Man sagt der asiatischen Küche vieles nach, aber das meiste davon stimmt auch. So erfreut sich der reiselustige Chinese an einer beinahe unglaublichen Auswahl von Geschmacksrichtungen, Zubereitungsarten und vor allem Zutaten. Der shanghaier Küche sagt man einen gewissen Hang zur Deftigkeit mit einer süßen Note nach, vor allem wegen der dicken Saucen. Allerdings sind die Shanghaier auch keine Verächter von scharfen Gerichten. So sollte sich der ungeübte durchschnittsdeutsche Tourist beim Kauf von Fleischspießen bei einem Händler an der Straße vor dem Verzehr überzeugen, daß er etwas zum Löschen greifbar hat. Ich mag's ja auch gerne etwas schärfer. Die Frage im Döner-Laden meiner Wahl nach "scharf" wird inzwischen nur mit einem lässigen Nicken oder der Ansage "mach's aber richtig scharf" bedacht. Aber die Asiaten haben hier, wenn's mal schnell brennen soll, ganz andere Kaliber. So auch heute, als ich mit sprachkundiger Begleitung ein Lokal betrat, daß sich selbst als Curry-House bezeichnet und ursprünglich aus Japan kommt. Interessant ist die Art und Weise zu bestellen. Erst macht man sich Gedanken über die Art des Curry: Omelette, Schweine- oder Rindfleisch, Fisch oder was auch immer. Dann wählt man die Menge Reis dazu (standardmäßig sind 300g dabei), dann den Schärfegrad zwischen 1 (mild) und 5 (das grenzt schon an Selbstverstümmelung) und wartet dann auf das Ergebnis. Die Kollegin hatte das Omelette als Basis gewählt, ich hingegen gebratenen Lachs. Und was hier wie braune Bratensauce aussieht, ist in Wirklichkeit eine gelblich-braune Currysauce. Mein Lachs thronte über einer Sauce, die mit 3 als "hot" eingestuft wurde. Im Nachhinein muß ich zugeben, daß ich da den Mund wirklich etwas zu voll genommen habe und mich danach auf den Nachtisch umso mehr freute. Allerdings konnte ich mit der Bezeichnung Shaved Ice Strawberry nicht allzu viel anfangen, außer das irgendwas mit Erdbeeren dabei sein müßte. Oben thronte eine Kugel Vanille-Eis auf einem Berg von crushed ice mit Erdbeersirup. In Taiwan sollen die Jungs das Shaved Ice allerdings soweit perfektioniert haben, daß es wirklich nur noch als feinste Eisplättchen daher kommt und im Mund dann zart dahin schmilzt. Was bei der etwas gröberen Variante mit crushed ice allerdings nicht ganz so schön funktioniert. Aber schmeckt trotzdem gut.

Dienstag, 12. Dezember 2006

Ich will Pizza

In Hong Kong konnte ich von der asiatischen Küche nicht genug bekommen. Hier in Shanghai sieht das ein wenig anders aus. Da das Büro des Kunden in Shanghai leider im kullinarischen Niemandsland liegt, ist man hier darauf angewiesen entweder selber was mitzubringen oder sich was liefern zu lassen. Und am ersten Tag in Shanghai gab's prompt Pizza. Aber nach einigen Tagen verblasst die Erinnerung an den goldgelb geschmolzenen Käse zu einer schalen Erinnerung. Höchste Zeit also, die Erinnerung wieder aufzufrischen. Als ich am Abend das Büro verließ, war es schon deutlich nach 21 Uhr, eigentlich ganz, ganz schlecht. Machen doch die meisten Pizzabäcker, die ich in Shanghai kenne, bereits um 22 Uhr Feierabend. Und so kam es auch, daß ich vor der ersten Pizzeria, Gino's Café, prompt 5 Minuten vor 22 Uhr stand. Und die waren beim letzen Mal schon so komisch, als wir noch um 22.10 Uhr beim Essen waren. Ok, dann weiter zu Papa John's, einem Lieferservice, der aber auch ein richtiges Restaurant hat. Dumm nur, daß auch Papa John's um 22 Uhr dicht macht. Ok, dann war's das eben mit Pizza. Ich dreh' mich um und will zum Taxistand laufen, da seh ich ein Logo einer Junkfood-Kette, die mir doch noch meinen Heißhunger stillen könnte: Pizza Hut. Juhu, bis 22.30 offen, also schnell rein und bestellen. Hmmm, die Wahl fällt auf eine 13-Inch Meat Surpreme, die auch ca. 15 Minuten später auf dem Tisch steht. Naja, kein Vergleich zum Italiener ds Vertauens, aber immerhin. Das erste Stück landet ganz schell auf meinem Teller. Der Mozzarella zieht herrlich lange Fäden. Genau so muß das bei Pizza aussehen. Aber irgendwas ist anders. Irgendein Gewürz ist dabei, daß die Jungs von Pizza Hut in Deutschland nicht verwenden. Keine Sorge, schmeckt nicht schlecht, ist mir nur aufgefallen. Aber ich komme einfach nicht darauf, welches Gewürz das ist. Und zum ersten Mal passiert es mir, daß ich eine Pizza nicht ganz schaffe.

Zeitreisen

Mein Kollege in Jinshan hat sich ja schon desöftern über die fahrerischen Qualitäten seiner Chauffeure ausgelassen. Das Dumme daran ist, der Kerl hat recht. Die Jungs hier (keine Sorge, die Fahrerinnen sind auch nicht besser) sind reichlich schmerzbefreit, was Verkehrsregeln angeht. Der Blinker ist bestenfalls zu Unterhaltungszwecken im Einsatz, gebremst wird auch nur, wenn's wirklich sein muß und dann auch nur gerade so lange, daß es gerade noch so vorbei reicht. Ein genauer Blick auf die in teilweise abenteuerlichen Zustand befindliche Karosse sollte man geflissentlich verzichten. Genauso wie auf den Versuch, bei den Reifen irgendwie noch etwas Profil zu erkennen. Nicht, daß hier alle mit Slicks rumfahren, aber es gibt doch viele, die der Meinung sind, daß auch die Karkasselagen noch ausreichend Grip bieten. Hin und wieder hat man auch das Glück ein Taxi aus dem Verkehrsstrom herauszupicken, daß einen auf eine Zeitreise mitnimmt, als VW noch keine blaue Instrumentenbeleuchtung und jede Baureihe ihre Schalter anderswo plaziert hatte. So ging's mir heute morgen beispielsweise. Im kalten Regen fange ich mir einen, schon aufgrund der kantigen Erscheinung, doch etwas älternen Santana der ersten Generation des deutsch-chinesischen JointVentures. Der bordauxrote Lack tat sich schwer damit, die teilweise mehr als 2€-Stück großen Löcher zu verheimlichen. Glück gehabt, der Fahrer weiß auf Anhieb, wo sich mein gewünschtes Ziel befindet. Also schwungvoll in den Fond und Tür zu. Moment, die Türverkleidung kommt mir irgendwie vertraut vor... Als ich etwa 12 Jahre alt war, hatte VW diese schwarze Ledernachbildung für Armaturenträger und Türverkleidungen verwendet. Ach ja, die guten alten 80er Jahre... auch die Wippschalter mit ihren abgrundeten Ecken sind mir später nochmal in meinem Scirocco II begegnet. Oder die dezent grünliche Instrumentenbeleuchtung. Aber auch die Plexiglaskuppel, die die Fahrer für gewöhnlich von ihren Fahrgästen abschirmt, sah so aus, als wären die letzten 20 Jahre nicht ganz spurlos an ihr vorbeigegangen. Und als ich in der Tianzhou Rd. aussteigen wollte, war ich ganz schnell wieder in der Gegenwart: 1,50 Euro für eine Fahrt von knapp 5km in einem mobilen Museum...